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Abend der Blasmusik – 1200 Jahre Reichelsheim – Spendenübergabe

Russische Seele, Böhmische Liebe und Nemo entdeckt

1200 Jahre Reichelsheim: Beim Konzert der städtischen Musikvereine erklingen die unterschiedlichsten Stilrichtungen

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Erstmals stehen alle städtischen Musikvereine auf einer Bühne“, stimmte Hans-Richard Hitz auf eine Premiere ein. Nur wenig später sollte eine dreistellige Musikerzahl die Sport- und Festhalle in den Ausnahmezustand versetzen. „Das ist nicht nur die letzte Veranstaltung zum 1200. Geburtstag der Kernstadt“, ergänzte Bürgermeister Bertin Bischofsberger, „sondern auch ein schöner Übergang zur 700 Jahr Feier Dorn-Assenheims.“ Dann sprachen die Instrumente: Die Vereine aus Reichelsheim, Dorn-Assenheim und Blofeld spannten einen Bogen vom Broadway über Udo Jürgens zur böhmischen Musik. Das Fazit: Die Musiker beherrschen Konzertantes so stilsicher wie aktuelle Songs oder die Legenden der 60er.

„Ich kenne keine Genregrenzen“, gibt Alexander Gröb die Blofelder Richtung vor, um zunächst die Facetten der russischen Seele zu erkunden. Hier tummelten sichmelancholische Liebeslieder, tiefgründige Dramen oder ein rassiger Säbeltanz. Dabei meisternten die Musiker charakteristische Tempiwechsel akkurat wie im Popklassiker Music.  Der bezaubert durch In sauberem Piano getragenen Passagen gespickt mit ungewohnten 7/4tel Takten. Kontrastreich, gefühlvoll und dramatisch zieht die Hymne ihre Zuhörer in den Bann, um diese gleich mit Highland Cathedral auf den Pfad majestätisch schottischer Musik zu führen.

Die Italo-Western Klassiker von Enrico Morricone zeigten, wie bunt ein Blasorchester klingen kann. Harmonisch trampelten die Klarinetten mit Hufegeklapper des Weges entlang, dann starteten die tiefen Register fzum dramatischen Spiel mir das Lied vom Tod. Spannend und gefühlvoll zeigte sich die Musicalwelt von Andrew Lloyd Webber. Das vielschichtige Arrangement bestach durch die Melodieführung der Trompeten bei Jesus Christ oder dem spannungsgeladenen Part im tiefen Blech bei Phantom der Oper.

„Wir haben viel Zeit in das Zusammenspiel der Register investiert“, lobte Andreas Schmidt seine Akteure. Einem zackigen Militärmarsch folgte ein „Schlageranfall“: In Udo Jürgens live präsentierten sie eine Songauswahl der 70er und 80er Jahre. So standen die Trompeten auf „17 Jahr, blondes Haar“, während die Klarinetten „Mit 66 Jahren“ das Leben beginnen ließen, sich das tiefe Blech „Aber bitte mit Sahne“ wünschte und die hohen Stimmen zum „Griechischen Wein“ zuprosteten. Eine tolle Artikulation der extrem abwechslungsreichen Melodienführung.

Dabei schüttelten die Musiker unterschiedlichste Swingelemente aus dem Handgelenk: Hier der mitreißende St. Louis Blues, dort das unbeschwerte, fast tänzerische Beyond the Sea. „Das ist Musik aus Nemo, meinem Lieblingsfilm“, hört man ein Kind mitsummen. Es folgte der funkensprühende Nostalgietrip in die 60er mit Flower Power und Woodstock. Im Spirit of 69 wurden hippige Songs der Monkees lebendig wie der Sound der Bee Gees in der Ballade Massachusetts oder bodenständige Countrymusik.

Mit Stücken aus Böhmen und Tirol erhielt Wernfried Meiß eine Steilvorlage. „Wer hat sich bei diesen herrlichen Polkas und schmissigen Märschen nicht schon mal dabei ertappt, mit den Fingern zu schnipsen“, betonte der Reichelsheimer sein untrügliches Gespür für den Geschmack des Publikums. Das outete sich als Fan böhmischer oder Egerländer Lebensart und hatte zudem seine Freude an Kärntner Klängen und den stilistischer Raffinessen der oberschwäbischen Dorfmusikanten. Dennoch: Der Höhepunkt war gesanglicher Natur. Mit Daniela Hess griff Meiß zum Mikrofon und bekannte sich zur „Böhmischen Liebe“.

Dann wurde es laut: Nach den Alten Kameraden und dem Böhmischen Traum erwiesen alle Musiker gemeinsam dem Geburtstagskind mit dem „Gruß an Reichelsheim“ ihre Referenz.

Schnell, schwungvoll und dennoch sehr exakt: Der Musikverein Harmonie begeisterte mit spritzigen Märschen und temperamentvollen Melodien

Waren für den volkstümlichen Konzertpart verantwortlich: Wernfried Meiß und Daniela Hess interpretierten die Böhmische Liebe auf Ihre Weise.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Premiere: Erstmals standen die Musiker aus Blofeld, Dorn-Assenheim und Reichelsheim gemeinsam auf einer Bühne

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über 600 Euro für Sozialstation

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) Die letzte Veranstaltung der Reihe 1200 Jahre Stadt Reichelheim für den guten Zweck. Betina Krückl und Christina Benner (vorn rechts) durften sich während des Abends der Blasmusik über einen Scheck von rund 600 Euro für die Sozialstation Mittlere Wetterau freuen. Die Vorsitzenden des Musikvereins Reichelsheim, Hans Richard Hitz und der Harmonie Dorn-Assenheim, Helmut Weitz wie die Abteilungsleiterin des Musikzuges Blofeld, Lena Herget (hinten im Bild) hatten auf Eintrittsgelder verzichtet und stattdessen um eine Spende gebeten. „Wir werden das in die Fortbildung investieren“, sagt Krückl, denn nicht alles ist über die gesetzlichen Möglichkeiten abgedeckt. Es mache nicht immer Sinn bei zwanzig Mitarbeitern nur einzelne Personen zu solchen Terminen zu schicken, „besser ist es wenn vor Ort alle und damit letztendlich auch die Patienten profitieren.“ Dabei werde ein Schwerpunkt auf den Bezug zur Demenzbetreuung gelegt.

Spendenübergabe an Betina Krückl und Christina Benner von der Sozialstation Mittlere Wetterau

 

Adventskonzert von Concordia und Harmonie

Sechs Nüsse für Aschenbrödel

Adventskonzert von Concordia und Harmonie in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena

Quelle: http://www.holger-and-more.de/adventskonzert10122016.html

Reichelsheim – Dorn-Assenheim (hh.) „Das war Weihnachtszauber in allen Tonlagen“, lobte ein Konzertbesucher. Mit ihrer Literaturauswahl gelang es dem Gesangverein Concordia und dem Musikverein Harmonie einmal mehr, das Publikum in St. Maria Magdalena zu verwöhnen. Dabei paarten die Akteure festliche Chor- und Instrumentalmusik mit temperamentvollen Arrangements zu einem bunten Mosaik. Jede Region pflegt eigene Traditionen, jede Zeit seine eigene Stilrichtung und so erklang im Kirchenschiff der Wunsch nach Frohen Weihnachten mal poppig alpenländisch oder als spanisch-sprachiges Hirtenlied aus der Andenregion. Dabei waren auch der Kinderchor mit Yvonne Adelmann und das Jugendorchester unter Leitung von Lisa Bodem. Mit einem Suitenzyklus in vier Sätzen aus der Barockzeit und freudigen Joy to the world zeigte sie, wie auch mit kleiner Besetzung großartige Musik zu machen ist.

Mit einem harmonischen Zusammenspiel und viel Feingefühl überraschte die Concordia. Ob A-Capella oder Klavierbegleitung, die Sänger arbeiteten die Dynamik der Stücke präzise heraus und erwiesen sich auch in der modernen Chorliteratur stilsicher. Bereits beim Weihnachtsstern war die besondere Atmosphäre der Heiligen Nacht spürbar. Dazu passte das Hoffnung versprühende „Nacht von Bethlehem“ oder die tschechische Weise Einsam ist der Weg, ein rhythmisches Wechselspiel zwischen Chor und Solo-Trompeter Andreas Schmidt. Zwei Monate investierte die Concordia, um mit A Weihnacht wie‘s früher war den Sound der Schürzenjäger zu mimen. „Das mögen meine Sänger“ ergänzt Dirigent Tobias Lipka, der den Satz selbst arrangierte. Die Originale aus dem Zillertal mischen das im Studio mit unzähligen Stimmen ab, „das können wir ganz ohne Technik.“

„Dies ist ein konzertant ausgearbeiteter Satz und kein vierstimmiges Choralheftchen, was du auf der Zeil spielen würdest“, scherzte Harmonie Dirigent Sascha Mistetzki über eine von Kesselpauke verfeinerten Version von Es ist ein Ros entsprungen. Als Kontrast war dann auch der Santa Claus in einer peppigen Variante mit viel Swing gern gesehener Gast im Kirchenschiff. Dessen außerordentliche Akustik rief bei der sinnlichen Cantique Gänsehautatmosphäre hervor. Den Klarinetten gelang es, die Orgel- und Choralmusik des Stücks authentisch zu vermitteln. „Lassen sie ihre Phantasie spielen und fahren sie im glitzerndem Schnee mit schaubenden Rössern und Glöckchengeläut“, forderte die Harmonie nun das Publikum zu einer alpenländischen Schlittenfahrt auf. Das durfte bei Disneys The Beauty and the Beast gleich weiterträumen. Klassisch getragen mit bunten Klangfarben interpretierten die Musiker das Melodiemotiv der Liebesgeschichte mit schönen Soli von Flöten und Saxophon.

Nun stand der Heilige Abend gleich doppelt vor der Tür. Erst arbeitete die Concordia die unterschiedlichen Klangcharaktere beim Weihnachtsklassiker Drei Nüsse für Aschenbrödel präzise heraus, dann legt die Harmonie quasi noch drei Nüsse mit der Instrumentalversion drauf und trabte im 6/8tel Takt durch die weißen Landschaften dieser Filmmusik. „Schuhe können ein Leben verändern,“ sagt Mistetzki und fügt hinzu:„Musik auch.“